Ein Kulturaustausch der besonderen Art

E.G. Es geschieht nicht jeden Tag, dass ein Austauschschüler aus Indonesien mit einer Geige in der Schweiz eintrifft. Unsere Familie war deshalb auch sehr gespannt, die musikalischen Qualitäten von Rafi zu erkunden, als der 17-Jährige im August 2018 zu uns stiess.

Rafi’s Spiel war technisch fortgeschritten. Allerdings merkte man ihm an, dass er noch nie mit anderen Instrumentalisten zusammen gespielt hatte. Komponisten sagten ihm nichts; wenn er Bach spielte, dann spielte er den Namen, nicht aber wirklich das Stück.

Geigenstunden konnte sich Rafi nicht leisten, aber er wollte unbedingt in einem Orchester spielen. Glücklicherweise war Barbara Bolliger, die Leiterin der City Strings II, nach dem Vorspiel schnell bereit, Rafi ins Orchester aufzunehmen. Auch wenn Rafi zu den ältesten Mitspielenden gehörte, so war er doch sehr neugierig, was da auf ihn zukommen würde. Sofern wir das Geld auftreiben konnte. Ein klassischer Fall für den Freundeskreis MKZ, der «rasche und unkomplizierte Unterstützung» zusichert. Und rasch und unkompliziert ging es auch: Die Rechnung mitsamt der Bestätigung, dass der Schüler aufgenommen wurde, wurde eingereicht und der Vorstand bewilligte das Orchestergeld für ein Jahr.

Rafi ging trotz Deutschunterricht am Mittwochnachmittag praktisch jeden Mittwoch um 17 Uhr ins Orchester an die Florhofgasse. Er tat sich anfänglich schwer, kannte er die Komponisten doch nicht und schon gar nicht deren Musik. Zuhause musste er jede einzelne Note erarbeiten, was ihm mithilfe der Geige spielenden Gastmutter und des Geige spielenden Gastsohnes aber gelang. Mit dem Erfolg, dass er am Abschlusskonzert, im hinteren Pult  alle Mitspielenden überragend, stolz und gekonnt mitmusizierte.

Dass er als willkommene Nebenerscheinung auch noch Deutsch lernte und einen kleinen Teil der einfacheren Orchesterliteratur erfasste, wird er spätestens nach seiner Rückkehr Anfang Juli – und nach dem zweiten Orchesterkonzert der City Strings II – realisieren.